was mich am so genannten deutschpunk, auch dem abseits der toten hosen und ähnlicher narren stört: die unglaubliche dumpfheit der behauptung man sei der bessere mensch, sei ziemlich kritisch und überhaupt schwer aufgeklärt; gerne gewürzt mit den verweisen auf das schlechtere vergangene. so genannte deutschpunker (männlich!): ich verabscheue eure kleinkunst zutiefst.
im islam hängt die ehre des mannes von der kontrolle über die sexualität der frau ab. der weibliche körper ist mit einer satanischen verführungs- und zerstörungsmacht ausgestattet, weshalb die sexuelle der frau im zaum gehalten werden muss. das gilt zu ihrem eigen schutz wie auch zu dem des „triebwesens“ mann. verführungsgewaltig sind vor allem die weiblichen haare, und der schutz vor dem anblick dieses für sexualität ist im […] koran kodifiziert […]. lösung also: die frau wird entsexualisiert, erhält damit ihre „reinheit“ zurück und ist vor männlichen übergriffen geschützt. […]
das gilt freilich nicht nur für den islam. […] denn alle monotheistischen religionen weisen vor allem hinsichtlich der kleidervorschriften und nichtbenutzung von kosmetik und schmuck kulturübergreifende gemeinsamkeiten auf. religion ist in dieser perspektive ein medium der artikulation, inszenierung und institutionalisierung von geschlechtsdifferenzen, […] bei der frauen das nachsehen haben – hier wie dort […]. das heißt auch nicht, dass im aufgeklärten westlichen rechtsstaat solche symbole nicht existieren oder überflüssig wären. wir haben unsere1 „funktionalen äquivalente“: orthopädisch fragwürdige, hochhackige schuhe, die schrittgröße verringernde röcke und wenig funktionale handtaschen, die – „objektiv“ betrachtet – frauen um mehr bewegungsfreiheit bringen, als es kopftücher tun. rechnet man den aufwand für das herrichten der haare hinzu, spart das kopftuch sogar viel zeit und aufwand für die öffentliche präsentation und inszenierung des weiblichen körpers. der unterschied liegt freilich darin, dass die mehrheit der frauen solche verinnerlichten zwänge nicht als einschränkungen und schon gleich gar nicht als unterdrückung durch die männer wahrnimmt, das tragen eines kopftuchs aber schon2.
nina degele: sich schön machen – zur soziologie von schönheit und geschlecht (wiesbaden 2004), s. 28f.
wenn es möglich ist, so eine mächtige illusion wie liebe zu installieren, warum sollte kommmunismus dann unmöglich sein?
norb lammert über die grünen:
Das Parlament hat die Grünen domestiziert. Die Grünen sind gestartet mit dem ausdrücklichen Anspruch, keine Partei zu sein und um Gottes willen nie eine zu werden. Sie verstanden sich als Bewegung und Anti-Parteien-Organisation. Aber natürlich sind sie Partei geworden mit allen Segnungen des Parteiengesetzes und der natürlichen Inanspruchnahme von Steuerfinanzierung und rechtlichen Privilegien. Sie sind in das System integriert worden, das sie herausgefordert haben.
soweit konsens!
nur die schlussfolgerung ist murks:
Die parlamentarischen Strukturen haben sich also offenkundig als durchdachter und bewährter erwiesen, als die Grünen es zunächst wahrhaben wollten. Insofern ist ihre 25-jährige Geschichte im Bundestag auch ein Adelsprädikat für unser parlamentarisches System.
könnte es nicht sein, dass parlamentarische wie ganz allgemeine repression (mit kindern chaot zu sein scheint ungleich schwieriger zu sein) daran schuld ist? aber nein: der homo oeconomicus parliert eben auch, das ist nur seine rationale wahl. natürlich.
Quelle: Norbert Lammert in Frankfurter Rundschau: „Wir haben sie domestiziert“ (05.03.2008)
wenn ich lese, dass jemand des geldes wegen von einer familie aufgenommen, dort geschlagen und gepeinigt wurde, widert mich das an. was ist das für eine welt in der soetwas potenziell immer und überall möglich ist?1 auch wenn dies kein alltag ist, ist es doch so, dass das potenzial — die kälte zwischen den menschen2 — überall. auch gibt es probleme, die sich nicht abschaffen lassen, sondern, wenn auch mit einer veränderten form, zur identitätsbildung eines menschen etwa gehören, der berühmte pubertätsschmerz etwa, in einer kommunistischen welt fortexistieren oder schlicht neu geschaffen3 werden.
das mag banal klingen. aber im öffentlichen diskurs sind solche themen verboten; sie sind privat; problemfernsehen ist mindestens kritisch, meistens jedoch per quote augeschaltet, nicht, weil dort kapitalistInnen säßen und das verböten, sondern weil die quotable menge der menschen das nicht sehen oder hören wollen, weil sie bis zum hals selbst in der scheiße stecken. insofern müsste der auftrag eines indymedias, kritischer blogs weniger das abstrakte ganze als das konkrete beschissene sein, um das private immerhin in einem bestimmten rahmen zu kommunizieren und eben durch die nicht-exklusivität dieser informationen politisch, das heißt für potenziell jedEn relevant, zu machen. das private muss dabei nicht das innere sein: die alltägliche gewalttätige scheiße, die passiert, das müsste dokumentiert werden.
eine zentrale kategorie des falls thies ist eben auch, dass er meinte, schweigen zu müssen, weil seine probleme nun einmal nur ihn beträfen. das ist nicht sein problem, sondern ein politisches und damit insbesondere ein linkes, deren aufgabe es wäre, eine atmosphäre zu schaffen, wo probleme artikuliert werden können — ohne davor sich zu fürchten, von dogmatikern4 zerfleischt zu werden.
- vgl. crull: Deutsche Zustände (04.03.2008) [zurück]
- nicht im reduktionistischen christlichen sinne: die sache ist doch, dass das nur möglich ist in der zum einen menschen nur noch als tauschpartnerInnen angesehen werden und zum anderen profan die zeit und kraft für ernsthafte beziehung zu menschen in der regel fehlt [zurück]
- über literaturhinweise zum thema probleme im kommunismus würde ich mich sehr freuen; zumindest prinzipiell muss dieser gedanke doch gedacht worden sein, oder? es mag tendenziell unmöglich sein für ein nicht-system vorher probleme zu analysieren; anreißen lässt sich das gewiss und sei es nur als das vermeidbare. [zurück]
- damit meine ich nicht nur antideutsche: auch der lähmende vorwurf der verkürtzten analyse etwa vergisst völlig, die bedeutung dieser analyse zu fokussieren; wenn jemand mit müntefering über die heuschrecken schimpft, ist das nur eine metapher für seine angst [zurück]
zum tv-spektakel, der inszenierung des untergangs des ns-schiffs gustloff, berichtet german foreign policy:
Wie Frau Steinbach offenbarte, ist die Zehn-Millionen-Produktion des ZDF auf Anregung der CDU-Parteiführung entstanden. „Treibende Kraft“ sei der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, gewesen.[4] Der CDU-Parlamentarier bestätigt, er habe den Regisseur „auf die Idee angestoßen (…), einmal etwas über Flucht und Vertreibung zu machen.“[5] Für diesen Einsatz erhält Kauder in der kommenden Woche eine Medaille des BdV.1
weiter wird ausgeführt wird, wie die brd-geschichtsschreibung so funktioniert:
Die Botschaft der staatsnahen TV-Ausstrahlung wird in der deutschen Presse vorab erläutert. Es handele sich um eine „Anklage gegen das Nationalkomitee Freies Deutschland“ (NKFD), eine antifaschistische Organisation des alliierten Widerstands, schreibt der „Tagesspiegel“.[6] „An der Spitze standen KPD-Funktionäre wie Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck. Hauptanliegen war es, die Wehrmacht mittels Propaganda zum Niederlegen der Waffen zu bewegen. Wie weit ging das NKFD? Haben Ulbricht und Pieck die Gustloff auf dem Gewissen?“ Zwar konnten „Generationen von Historikern (…) dafür noch keinen schlüssigen Beweis“ entdecken, aber man „forsche noch in russischen Archiven“. Es handele sich um „work in progress“, sagt der ZDF-Chefhistoriker und will „mal sehen, was dabei herauskommt“. 1
- German Foreign Policy: Work in Progress (29.02.2008) [zurück]
es ist ja schön,dass ihr dutschke zum jubiläum selbst sprechen lasst und seine rede auf dem internationalen vietnamkongress dokumentiert. es wäre ja niedlich, wenn es nicht so unverschämt wäre, dass ihr zentrale begriffe die rede rahmend erklärt. unverschämt? ihr schreibt zum beispiel: „Dutschkes Vorstellung, dass ein umfassendes Netz der Repression existiere, ist gespenstisch, fast schon paranoid. Das Irreale daran dürften seine Zuhörer damals jedoch kaum empfunden haben“
In diesem Sinne ist es nicht angebracht, daß sich viele Linke seit einigen Jahren darauf beschränken, Diskussionen darüber zu führen, was mit dem Linkssein alles unvereinbar ist. Unsere Sexualität läßt sich nicht darüber verändern, daß wir Pornos ablehnen und dagegen ankämpfen, sondern indem wir uns unsere Erlebnisse, Fehler und Wünsche erzählen, Rollen tauschen, uns reflektieren.1
- Zettelknecht in arranca! 8: Die Linke und die „sexuelle Revolution“ [zurück]
also: koch ist wohl weg, das ist gut. alles andere wäre auch untragbar gewesen. soviel zur wahl, viel interessanter sind die probleme, die frank hier beschreibt. sehr komisch, das, vor allem: potentiell sehr gefährlich.
1. demonstrationen sind im allgemeinen eher für die teilnehmenden als für die jeweiligen politischen gegnerInnen. nichts spricht dagegen: selbstformation ist wichtig, kontakte sind im dann doch eher spärlichen, linken netz abseits der metropolen höchst wichtig. und außerdem ist motivation ganz zentral für die fortführung linker politik: hoffnung wird zumindest da geschürt, wo mensch merkt dass mensch nicht alleine ist.
2. das wichtige ist, zu beweisen, dass alternative lebensformen praktisch möglich sind. die camps haben das bewiesen. das hätte vielleicht mehr kommuniziert werden müssen,
3. die perspektive, dass das, was gemacht wurde, eher so lala und kindergarten der parteijugenden war, stimmt, ist aber vielleicht auch nicht unwichtig zu erkennen. trotzdem wurde es als großer erfolg kommuniziert, was immerhin auch einen erfolg darstellt. dass bei der zunehmenden offenheit der medien den protesten gegenüber erstens wirkung (denn der gipfel wurde nicht wirklich blockiert) und zweitens inhalte verspielt wurden, ist in der tat mies. gleichwohl bedeutet das eben auch, soetwas wie eine bestandsaufnahme der im moment moblisierbaren, vorhanden linken in der brd.
4. was nun?







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herr huch, der Klassensprecher von 1984