zum kopftuch und unseren funktionalen äquivalenten

im islam hängt die ehre des mannes von der kontrolle über die sexualität der frau ab. der weibliche körper ist mit einer satanischen verführungs- und zerstörungsmacht ausgestattet, weshalb die sexuelle der frau im zaum gehalten werden muss. das gilt zu ihrem eigen schutz wie auch zu dem des „triebwesens“ mann. verführungsgewaltig sind vor allem die weiblichen haare, und der schutz vor dem anblick dieses für sexualität ist im […] koran kodifiziert […]. lösung also: die frau wird entsexualisiert, erhält damit ihre „reinheit“ zurück und ist vor männlichen übergriffen geschützt. […]
das gilt freilich nicht nur für den islam. […] denn alle monotheistischen religionen weisen vor allem hinsichtlich der kleidervorschriften und nichtbenutzung von kosmetik und schmuck kulturübergreifende gemeinsamkeiten auf. religion ist in dieser perspektive ein medium der artikulation, inszenierung und institutionalisierung von geschlechtsdifferenzen, […] bei der frauen das nachsehen haben – hier wie dort […]. das heißt auch nicht, dass im aufgeklärten westlichen rechtsstaat solche symbole nicht existieren oder überflüssig wären. wir haben unsere1 „funktionalen äquivalente“: orthopädisch fragwürdige, hochhackige schuhe, die schrittgröße verringernde röcke und wenig funktionale handtaschen, die – „objektiv“ betrachtet – frauen um mehr bewegungsfreiheit bringen, als es kopftücher tun. rechnet man den aufwand für das herrichten der haare hinzu, spart das kopftuch sogar viel zeit und aufwand für die öffentliche präsentation und inszenierung des weiblichen körpers. der unterschied liegt freilich darin, dass die mehrheit der frauen solche verinnerlichten zwänge nicht als einschränkungen und schon gleich gar nicht als unterdrückung durch die männer wahrnimmt, das tragen eines kopftuchs aber schon2.

nina degele: sich schön machen – zur soziologie von schönheit und geschlecht (wiesbaden 2004), s. 28f.

  1. man beachte hier die neuerliche differenzkonstruktion [zurück]
  2. ach? die mehrheit der potentiell kopftuch-tragenden frauen? [zurück]

1 Antwort auf “zum kopftuch und unseren funktionalen äquivalenten”


  1. 1 subwave - exakt neutral :: putzige pomos #1: vorteil kopftuch. Pingback am 07. Mai 2008 um 23:21 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.


Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: